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Es gibt keinen Grund das Format eines Bildsensors als unabänderliches Seitenverhältnis hinzunehmen. Im Gegenteil, viele Motive verlangen geradezu danach in ein passendes Format gesetzt zu werden, das erst nachträglich entsteht. In einem Kurs erkläre ich den Unterschied von Hobbyisten und Profis damit, dass letztere weniger Ausschuss haben, das heißt, viele der vorhandenen Aufnahmen genügen bereits den formalen Ansprüchen. Die Auswahl der Bilder geschieht mit einem Sehen, das einige Übung verlangt. Dieses fotografische Sehen kann ein Amateur sich ebenso aneignen. Doch häufiger muss der ernsthafte Amateur damit zufrieden sein aus einer Serie allein ein einziges ungewöhnliches Bild vorzuweisen, während ein Profi nach dem ultimativen Bild sucht - das ihm oder ihr allerdings auch nur selten gelingt. Umgekehrt, wenn nur ein Bild existiert, dann zeigt sich, wie geschult das Auge ist. Nehmen Sie mir bitte ab, das dieses Bild im Vorbeigehen entstand. Es gibt kein weiters Original von diesem gelben Band, etwa auf der Suche nach dem besseren Ausschnitt oder ähnlichem. Trotzdem, in das Seitenverhältnis des Bildsensors passte das Motiv nicht. Es wurde nachträglich beschnitten, lediglich oben. So entstand das Seitenverhältnis von 1:1. Dieses Seitenverhältnis ist eher ungewöhnlich, mir jedoch sehr vertraut, da ich relativ viel in diesem Format mit Film fotografierte (6x6). - Das bereits während der Aufnahme der Beschnitt gesehen wurde, verdeutlicht das unterste Bild., das noch unbeschniiten das stärende Bilelement oben enthält. - Im winzigen Bild (unvergrößert) wirkt das helle Grün längst nicht so störend. Das gestalterische Konzept entstand bereits im Augenblick der Aufnahme. Dass das Bild seine Wirkung entfaltet, wird nicht zu leugnen sein, selbst dann nicht, wenn das Motiv für jemanden "unerheblich" bleibt. Das ist es eigentlich auch - eigentlich. Doch ich sah die Wechselwirkung der Farbigkeit von leuchtendem Gelb und dunklem Grün, hatte die spannnungsgeladene Beziehung von Linie und Fläche entdeckt. Kurz: Das Bild funktionierte schon vor der Aufnahme. Dieses Bild erzeugt Aufmerksamkeit. (Sehen Sie sich bitte die Vergrößerungen an - anklicken.) Die Wirkung lässt sich mit meiner Gestaltungslehre erklären. Dafür habe ich die das Bild bestimmenden Proportionen durch die hellen Linien nachträglich bestimmt. Kräftig gelb markiert sind die Halbierenden, darüber ist die Drittelung sichtbar. Das gelbe Band trifft sowohl den Mittelpunkt und füllt zugleich den Raum des mittleren, senkrechten Drittels. Der schräge Verlauf des Band folgt der Sehrichtung des kursiven R und lenkt die Aufmerksamkeit zu den Spinnweben (entdeckt?). Welche Bedeutung es hat den Bildaufbau mit der Sehrichtung in Einklang zu bringen, lässt sich mit der "Gegenprobe" belegen: man spiegele das Bild horizontal und die Spinnweben werden zum gestalterischen "Stolperstein". - Viele Werbeaufnahmen leben von diesem Effekt. Sie sind mit Absicht gegen die Sehgewohnheit gestaltet, sie sind dann "lärmend-krawallig". Der Goldene Schnitt, so zeigt sich auch an diesem Bild, ist als gestalterische Regel - anders als gerne behauptet - für dieses wie viele andere Bilder nebensächlich. Erst wenn Gerade und eine Flächenteilungen bildwirksam wird, dann kann es sein, das die harmonische Wirkung des Goldenen Schnitts zu berücksichtigen hilfreich sein kann. Proportionen zielgerichtet einzusetzen erzeugt immer ein stimmiges Bild, was allerdings nichts mit einem "aufregenden" Motiv zu tun hat. Auch dieses Bild enthält kein solches Objekt. Im Gegenteil, die bildmächtige Wirkug entsteht eben eher der Alltäglichkeit des abgebildeten: Weil es "nur" ein Band ist, als solches auf den ersten Blick erkennbar das Bild berherrscht, verblüfft die Wirkung die Betrachter, die diesen Umstand beim betrachten wahrnehmen und überrascht sind. Wenn die Betachter sich der Wirkung bewusst werden, die mit dem Betrachten verbunden ist, dann erhält ein Bild mehr Inhalt, als die reale Abbildung an Bedeutung besitzt - das Bild ist "aufgeladen", es fesselt. Die Betrachter versuchen hinter das Geheimnnis des Bildes zu kommen, es zu verstehen, was sie überrascht hat. Da ich bereits genau erklärte, was beim Betrachten dieses Bildes geschieht, womit die Bildwirkung erzeugt wurde, verliert es für all jene, die diesen Text lesen die bildmächtige Wirkung - leider. Aber vielleicht erinnern sie sich noch der eigenen Überrasching. |
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