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Zur richtigen Zeit anwesend zu sein, das kann eine weitaus schwierigere Sache sein, als eine brauchbare Perspektive zu finden. Ich kenne ein Motiv, dass ich schon mehr als zwölf mal ausgesucht habe, und trotzdem fehlt bisher jenes Bild, dass ich, als Idee, mir vorstelle. - Jeder Landschaftsfotograf kennt solche Motive. Überhaupt alle Motive, die außerhalb eines Studios aufgenommen werden sollen, können schon wegen des Lichtes ausgesprochen problematisch werden und verlangen nach Geduld und Timing und Glück. Ein Durchblick von drinnen nach draußen gehört zu denjenigen Aufgaben, die schwer planbar sind. Grundsätzlich sollte man solche Motive vorab genauer ansehen. Es heißt, vorab entscheiden, welches Tagesicht eine guter Voraussetzung bieten kann, um eine Bildidee umzusetzten. - Hier war es eine recht leicht: stabiles, schlechtes Wetter mit Regen. Gerade das obere Bild wirkt durch die draußen nass glänzenden Flächen recht hell. Eben gar nicht verregnet. Dazu trägt auch die helle Wolkendecke bei, sowie der recht hell glänzende Dachbereich. Der Sehrichtung entsprechend geht der Blick von drinnen nach draußen. Welche Bedeutung dies für das Motiv hat, kann man selbst leicht ausprobieren. Man spiegele das Bild und sieht, besser erlebt, ein völlig anderes Bild. Insgesamt wirkt die Aufnahme erst in einem größeren Format beeindruckender. Die klare Struktur ist einfach gegliedert und räumlich überschaubar - fast ein wenig langweilig, im kleine Format weniger als im großen Ausdruck. Das ist beim Bild unten ganz anders. Die komplexen Stukturen der Linien sind selbst auf den zweiten Blick nicht so einfach zu verstehen. Der Innenraum ist noch leichter erkennbar, doch der Durchblick ist komplex. In den Scheiben spiegeln sich die Reflexe anderer Fenster. In der mittleren Höhe durchquert eine Hochstraße das Bild. Dahinter steht das große Gebäude. - Auch dieses Bild ist gespiegelt völlig anders. Doch nur so, wie von mir vorgestellt, hat es eine Sicht nach draußen, denn hier folgt man dem "R" und erst spät führt der Blick der Betracher die Treppe abwärts und aus dem Bild. (Gespiegelt steigt man aufwärts ins Gebäude und verharrt darin. Das Draußen wird dabei zu etwas beuläufigen, störend.) ) In beiden Bildern sind die Farben nicht unproblematisch, denn die Scheiben hatten eine leicht grünliche Färbung. Im Innenraum oben wirkte der graue Metallrahmen ebenfalls leicht grünlich. Beim Fußboden lässt sich dieser Farbton am leichtesten hinnehmen, daher habe ich dass Bild in diese Richtung korrigiert, oder besser: nicht über-korrigiert. Die Säule links hinten hat eine entsprechende Färbung behalten. - Bei solchen Lichtverhältnissen muss man sich entscheiden. Und ich entschied mich für den eher natürlichen Blick nach draußen. Unten gab es das gleich Farbproblem. Doch begünstigte das leichte Gegenlicht und die rötliche Fassade des entfernten Gebäudes die Korrektur. Dagegen ließ sich das Foto nicht gänzlich entzerren. Das Geländer links vorne steht gegen den Rahmen links hinten. Ich entschied mich das Geländer nicht nach links kippen zu lassen, und dafür den leicht schiefen Fensterrahmen, so wie er jetzte ist, zu akzeptieren. Bei der Wahl der Perspektibe habe ich fast ausschließlich daran gedacht, möglichst wenig am Bildschirm entzerren zu müssen. Das Licht drinnen und drauen habe ich selektiv gemessen und mit einer Gewichtung des Inneren belichtet. Beide Bilder leben von der grafischen Wirkung, zu der die geringe Farbigkeit beiträgt. Und wer genau hinsieht entdeckt, dass die Schärfeebene eher hinten liegt, bei den bildwichtigen Elementen. - Bei starken Kontraste kann man schon mal auf etwas Schärfe verzichten, zugunsten anderer Bildelemente. |
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