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Nun bin ich kein Fotograf der in schwarz-weißen Bildern sich zuhaus fühlt. Im Gegenteil, es entspricht keineswegs meines fotografischen Stils. Trotzdem gibt es entsprechende Bilder in meiner Sammlung. Ach ja, sowas muss sich "Portfolio" nennen - es klingt so bedeutsam. Passend zum aktuellen Beitrag im Blog wolllte ich ein Bild vorzeigen. Und da man als Betrachter an natürlichen Objekten am ehesten die Wirkung einer Abstraktion erfahren kann, weil man eine Vorstellung davon hat, wie so ein Baum real aussieht, kann jeder und jede an meinem Beispielen am ehesten entscheiden, ob ein "biiliger" Foto-Effekt sichtbar wurde oder tatsächlich eine gestaltende Wirkung zu einem neuen Sehen beiträgt. Dabei ging es mir zuerst um die leichte Verständlichkeit an einem Beispiel und als zweites darum, auch ein Bild vorzuzeigen, das nicht "nur" als Anschauung herhält, sondern zugleich eine befriedigende Lösung anbietet. Das ein Bild jenseits der Gestaltungslehre existieren kann und auch sollte, muss ich hier mal zeigen - BIld 3. (Gestaltung nach einer Theorie ist nicht Alles und nicht immerfort die beste Lösung.) - Umgesetzte Gestaltungslehre hilft - meistens - und funktioniert, aber von Bildern an denen die "Geheimnisse" nicht zu erkennen sind, kann man wenig lernen. Die Farbaufnahme entspricht dem Original. Darunter findet sich das in konvertierte Bild. Dabei jedoch muss man die Frage stellen: Sieht es aus, wie eine Umsetzung des Realen in schwarz-weiß Tonwerte? Wenn nicht, dann wirkt ein natürliches Objekt verfremdet. Sehen Sie sich die beiden Bilder genau an, vergleichen Sie. Noch ist Zeit - bevor Sie weiter lesen. Denn die Frage der Natürlichkeit ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit eines Bildes. - Entscheiden Sie sich: Ja oder Nein? Oder doch nur anders? Was wurde zur Konvertierung zusätzlich verändert? Die Farben wurden separat angepasst, Rot etwas aufgehellt und Blau etwas verdunkelt. Der Kontrast wurde mit der Gradationskurve abgewandelt, ebenso die Helligkeit. Hinzu kommt eine starke (!) Drehung des Bildes nach links, eine deutliche horizontale Biegung beiden Seiten nach unten (an der Linie des Feldes zum Buschwerk erkennbar), und eine horizontale Dehnung , sodaß der Horizont wieder gerade wirkt und der Baum aufgerichtet ist wie zuvor. - Also, was so unverändert wirkt, ist erheblich bearbeitet worden. (Das ist eine weitaus anspruchsvollere Bearbeitung als beispielsweise bei Wolkenbildern, denn diese können weitaus stärker manipuliert werden, bevor eine unreale Szene oder Atmosphäre entsteht.) Die gebäuchlichsten Motive für Schwarz-Weiß sind Abbildungen von Personen, von aufgelassenen Industrielandschaften, also mit Industriebrachen und auch Straßenszenen, weil bei solchen Motiven der Blick auf die Details gelenkt wird, sich im Gesamtbild eine grafische Betonung des Motivs ergibt. Bei diesem Motiv ist das anders - ganz anders. Alle Bilder sind mit einem starken Weitwinkel aufgenommen und entfalten eine deutliche Wirkung erst als große Formate. - Dann entsteht eine dreidimensionale Wirkung, ab einer Seitenlänge von etwa 90cm. Erst durch die menschliche Person in Bild 3 wird das Foto verstehbar. Der Baum erhält eine Dimension, die Größe wird sichtbar. Dabei stört es keineswegs, dass keinerlei perspektivischen Korrekturen vorgenommen wurden. Im Gegenteil, wenn Menschen perspektivisch verzerrt werden, dann wirkt dies immer befremdlich. Bei Landschaften und technischen Objekten ist das nicht so einfach zu erkennen,. Schon deshalb kann und wird daran fließig manipiliert. Eine solche Veränderung (Manipulation) ist das quadratische Bild (4) unten. Es wird möglich, weil kein Mensch abgebildet ist. Der Baum wirkt weiterhin natürlich und passt gut ins Format, wenn man die streng formale Orndung mag. Bild 4 ist nicht vergrößerbar, weil ich lediglich die Bildhöhe im HTML-Code verändert habe. Wie Sie selbst sehen: Die Variationen sind eine Geschmackssache, was nichts anderes bedeutet als eine "Gewohnheit des Sehens". Da Bäume in unserer medialen Anschauung nicht in Schwarz und Weiß präsentiert werden, ist nicht nur eine Abstraktion erreicht, sondern wird auch Befremden ausgelöst. Einige von Ihnen werden der farbigen Abbildung den Vorzug geben. Das ist völlig in Ordnung, denn erst auf den zweiten Blick, dann, wenn man die schwarz.-weißen Bilder in einem großen Format betrachtet, wirkt alles deutlich natürlicher. - Der Zusammenhang von Betrachtungsabstand, Format und dreidimensionaler Wirkung gehört zu den Grundlagentexten (demnächst, wenn Zeit ist zum Schreiben) und führt hier zu weit. Für diejenigen, die die Empfimdung spüren, dass in dem dritten Bild mehr passiert, als auf den ersten Blick sich mitteilt, habe ich das Bild in reduzierter Auflösung, aber originaler Größe, belassen. (Man muss leider daran denken, wie selbstverständlich es im Internet ist fremde Bilder sich zu eigen zu machen.) Was geschieht beim Betrachten? Sie können erleben wie nah ich dem Baum tatsächlich war. Beim originalen Betrachtungsabstand reichen die Äste oben fast über Sie hinweg. Da der Standpunkt für die Aufnahmen nicht wesentlich veränderts war, wäre dieser Effekt auch dort spürbar, hätte ich eine entsprechende 1:1-Größe angeboten. Doch wegen des fehlenden Menschen wirkt jedes Aufnahme - ob in Farbe oder in Schwarz-Weiß - für mich leer, zu formal, eben steril, trotz aller Natur. Was ebenso wirkt - es wird vielen gar nicht ausgefallen sein - in Bild 3 ist der Baum oben angeschnitten. Nicht nur der Mensch mit dem Hund, auch dieser Anschnitt erzeugt eine bildlich wirksame Spannung, die keineswegs unnatürlich wirken muss, da Anschnitte in fast allen Bildern unserer medialen Welt ein selbstvertständliches Gestaltungsmittel geworden sind. (Das Anschneiden ist ein Bestandteil der modernn Bildsprache geworden, seit dies in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum Stil im Fotojounalismus wurde.) |
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