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Jeder kirchliche Innenraum ist immer eine heikle Sache. Man hat es üblicherweise mit zwei oder mehr Lichtquellen zu tun, dem Tageslicht und dem künstlichen Licht von Beleuchtungskörpern. Viele Kirchenfenster bieten unterschiedliche Farben und Stile, und der Inneraum wird von Leuchtkörpern mit unterschiedlichen Farbgewichtungen bis hin zum Kerzenlicht beleuchtet. In diesem Bild erkennt man auf den ersten Blick drei Lichtquellen. Das vierte sieht man ansatzweise oben rechts als seitliches Tageslicht aus einfarbigen Fenstern, was auch links zu sehen ist. Durch den Beschnitt des Bildes werden diese Eindrücke nicht so bildwirksam. Wie man an der oberen Aufnahme sieht, die Perspektive von unten nach oben ist keine glückliche Wahl, zumeist unumgäglich, die in der Bildbearbeitung angegangen wurde. Was aber spätestens dabei deutlich wird: die Senkrechten streben nach allen Richtungen, selbst in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Eindruck: Alles ist krumm und schief. (Doch das gilt auch für viele neue Gebäude.) Deshalb habe ich hier eine Gesamtansicht berücksichtig mit einer Gewichtung auf die Mitte des Bildes. Trotz dessen wirken die äußeren schmalen Halbsäulen im Chorraum nach außen strebend, die inneren nach innen. Hier kann mich nur mein Auge leiten die Senkrechten zu mitteln. Wer ein solches Bild analytisch betrachtet wird nie wieder den Eindruck gerader Senkrechte haben können, anders als beim unbefangenen Ersteindruck. Zur Verwirrung der Betrachter trägt bei, das die usprüngliche, restaurierte Bemalung der Säulen optische Täuschungen beabsichtigten. Da eine einzelne Belichtung die Kontraste nicht auffangen kann, entstand eine Serie von Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Mein Ziel ist ein HDR, also einer Aufschichtung von Fotos, in denen der weitestgehend vollständige Kontrastumfang eines Motives zu den Details im Bild beiträgt. Dafür kann man keine unterschiedlichen Blendenwerte benutzen, um die Schärfentiefe von Foto zu Foto nicht zu verändern. Das gelingt entweder mit der Funktion "Bracketing" -eine Serienbildfunktion mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, die die Kamera selbständig ausführt- oder von Hand, bei der ein größerer Bereich von Lichtwerten erfasst werden kann. (Im Bild oben erhält man einen Eindruck von den Unterschieden der Helligkeiten die mit einer Belichtungs erfasst werden müssen, dem Dynamikumfang.) Man sehe in den unteren Teil der Kanzel oder unter und hinter den Altar, oder in die Fenster. Für das Bild wurden 5 Fotos zusammen gefasst. Alle Fotos zusammen erfassten 19 Lichtwerte, von denen ich nicht alle optimerte. Den Altar konnte man gar nicht "rausreißen" aus dem überharten und auch noch gelblichen Licht, so dass die Farben völlig verdorben werden. - entweder man fotografiert den Altar für sich allein oder verzichtet auf die Möglichkeiten einer weitgehenden Farbkorrektur und behält den Eindruck, den jeder Betrachter bekommt und ist damit realistischer. Ein weiteres Problem sah ich bei der Bildbearbeitung. Die Bankreihen stehen offenbar auf keinem ganz ebenen Boden. Die Bänke kippen gegeneinander. Um dem störenden Bildeindruck zu begegnen, wurde im unteren Bild selektiv eine starke Entzerrung benutzt und diese überkorrigierend eingesetzt, die so nicht nötig gewesen wäre. Doch damit sind die Bankreihen am Bildrand "angehoben" worden und ebenso die Kanzel gerade gerückt im Bild. Die Helligkeit der Fenster wurde von mir bewusst nicht vollständig angepasst, die leichte Überstrahlung in die Laibungen hinein und der etwas zu helle Eindruck beibehalten, um eine glaubwürdige Ansicht vom Kirchenraum zu bewahren. Ebenso nach Augenmaß entstand ein Kompromiss bei den Farbwerten. Denn hier zählt allein der glaubwürdige Eindruck von allen Lichtquellen. Man erkennt den Unterschied zum Beispiel im Vergleich der Kirchendecke mit dem Wandbereich oberhalb der Kanzel. Das eher unglückliche, seitliche Streiflichtlicht für den Altar stört die Farbigkeit und ist grell. Auch dabei wollte ich den Eindruch nicht "zum Besseren" korrigieren, um den Innneraum im Bild nicht zu sehr von der Realität abzuheben. (Der originale Innenraum ist viel dunkler mit überhellen, punktuellen Lichtern und überbetont wirkenden Fenstern, wie auch dem fehlbeleuchteten Altarbild - Ein eindrucksvoller Kirchenraum mutiert so zum modernen und auch noch misslungenen Postkartenkitsch. - Ob die Lichtstimmung des oberen oder unteren Bildes besser gefällt ist Geschmachssache. Dem realen Zustand der Beleuchtung entsprechen beide Bilder eher weniger. Denn kaum jemand von außerhalb kennt diese Kirche (St. Jakobi in Göttingen). Denjenigen, denen der Inneraum bekannt ist, wird ein neuer Eindruck vermittelt, was die Attraktivität dieses Bildes fördert. (Die bessere Version des unteren Bildes gibt es nur im Seminar zu sehen als Ausdruck, denn eine Bildschirmdarstellung ergibt angesichts der üblichen Monitoreinstellugen bei vielen Nutzern keinen wirklich besseren Eindruck und der übliche Bilddatendiebstahl ist so wie das Bild bearbeitet wurde auch nicht möglich.) |
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