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Wie viel Farbe braucht ein Bild? Hier sind zwei Beispiele die helfen können diese Frage zu beantworten. Dabei handelt es sich um ganz gewöhnliche Motive, obwohl Technik und Gestaltung nicht so einfach nach zu machen sind. Jedes schnelle Urteil von "besser/schlechter" sollte man bei beiden Bildern vermeiden, denn erst der analytische Eindruck vermittelt jenes, das beim genauen Betrachten hervor tritt.

Das Rot der Blüten ist die eindeutig vorherrschende Farbe. Im unteren Bereich taucht zusätzlich Blattgrün auf. Der Ausschnitt ist sicherlich irritierend, denn man möchte meinen, da stimmt etwas nicht. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass das Bild auf eine Blüte konzentriert ist und die gesamte Gestaltung bestimmt: Die Blüte am unteren Rand, in der Mitte. Würde dieser Fleck fehlen, entstände keine flächige Wirkung. Es gebe eine Trennung in rot und grün. Die Gestaltung des Bildes lebt allein von diesem roten Fleck.

Jedoch, wird die Farbe wirklich gebraucht? In diesem Bild eindeutig: Ja. Wegen der vielen über die Bildfläche verteilten Blüten wird die Differenzierung in rote Farbtöne zum wichtigsten Merkmal der Gestaltung. Man sehe sich das Graustufenbild an. Darin entsteht der Eindruck, dass es dem Bild an Kontrast fehle. Das stimmt nun gar nicht, denn die Lichtkonstraste auf einzelnen Blütenblättern sind enorm. Helligkeit und Kontraste hatte ich im schwarz-weißen Bild deutlich verstärkt um den Eindruck einer "grauen Suppe" zu verringern. Das Rot erhält durch die starken Kontraste selbst in schwqarz-weiß eine enorme Intensität. Dabei ist in Farbe die Leuchtkraft relativ gering. Und das ist der zweite irritierende Aspekt. Man kann nicht einfach den Eindruck gewinnen, die Farben seien durch zu viel Sättigung unnnatürlich verändert. (Tatsächlich kann man eben dies nicht erkennen; die Sättigung wurde nicht erhöht, wenn man die Kontratsanhebung in schwarz-weiß nicht schon als solche begreift.)

Entscheidend für die Anmutung ist der Eindruck, dass die Abbildung nicht falsch wrkt, dabei aber anders "gesehen", also umgesetzt wurde, als dies üblich ist. Tatsächlich ist dies keine durchschnittliche Belichtung. Die Schatten wurden mehr berücksichtigt als die Licher. Das führte zu sehr hellen Lichtern, die an der Grenze zum Ausfressen stehen. Das Blattgrün ist dunkel, allerdings vollständig durchgezeichnet. Damit der Kontrast bewältigt werden konnte, kam ein Aufhellblitz dazu. - Das ist das Geheimnis des eigenartigen Lichtes.

Darunter - Das Grün wirkt wie Beiwerk, das Fahrrad wie ein "verstecktes" Motiv, eingebettet in Blattgrün. Die Kontraste sind ebenso extrem wie oben. Allerdings habe ich dem Chromglanz eine grafische Anmutung belassen, jene Kontraste beibehalten, die bei der Aufnahme schon existierten. Es wäre ein leichtes gewesen den Glanz des Chromes zu mindern. Doch was wäre dann passiert? Die hellen Metallteile des Fahrrades würden weniger aus dem Blattgrün heraus stechen.

Auch hier stellt sich die Frage: Wird die Farbe gebraucht? Die Umwandung in Graustufen scheint dem Bild nichts zu nehmen. (Auch an diesem Graustufenbild wurden Kontrast und Helligkeit etwas verstärkt.) Der Unterschied liegt in der Grenzwanderung zum Grafischen. Während das Fahrad im Graustufenbild hinter dem Blattgrün zurück steht, wird im bunten Bild das Grün weniger bildmächtig wirksam. Dafür tritt der braune Rahmen des Fahrrades mit seinen hellen Reflexen im Chrom deutlich aus der Hecke heraus .Und das macht dann auch den Unterschied.

Im Graustufenbild wirken Fahrrad und Hecke wie nebeneinander. Beide Bildteile stehen einander eher gegenüber und ohne Bezug zueinander. In Farbe trennen sich die Bildteile und haben nun eigene Aufgaben. Darin ist das Blattgrün dann ein eigenartiger Mix aus Hintergrund und Vordergrund, in der das Fahrrad heraus leuchtet und nach vorne tritt. Auch in diesem zweiten Beispiel bietet das Graustufenbild keine wirklich überzeugende Lösung. Denn erst das Farbbild löst das Fahrad aus dem Umfeld und erzeugt ein unaufdringliches Miteinander, das mit den Reflexen etwas "überreales" erhält - anklicken!

Natürlich gibt es jene Motive, die in schwarz-weiß ungemein real wirken. Doch dabei wird übersehen, dass solche Bilder eine stärkere Abstraktionen bedeuten, als die farbigen Versionen. Es ist diese Abstraktion, die einigen Motiven zu besonderen Wirkungen verhelfen und zugleich ist es auch diese Abstraktion, die bei anderen Motiven nicht die beste Wahl darstellt. Das farbige Bild kann zusätzlich auf die Farbkontraste zugreifen, ohne dabei alles in gleichartige Kontraste setzen zu müssen. - Die lebendigen farbigen Lichter: Das Fahrrad erhält grünes Licht von der Wiese und der Hecke und zugleich blaues Tageslicht vom Himmel.

Farbe bedeutet zusätzliche Kontraste in Heligkeit und Farbe zur Verfügung zu haben. Es entstehen andere bildliche Wirkungen als in schwarz-weiß. Man kann farbige Bilder nicht einfach in Graustufenbilder umwandeln. Zumeist führt das nicht zu besseren Bildern. Ein schwarz-weißes Bild braucht andere Aufteilungen von Flächen und Linien, als ein farbiges Bild. (Da Bilder in Graustufen seltener zu sehen sind, wird die Gestaltungslehre für Schwarz-weiß immer seltener angesprochen. - Weil man weniger in s/w fotografiert, wird es auch weniger geübt. Leider.

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