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Die Papiertüte als Bild

Auch hier lässt sich im Bild oben das Gestaltungsmerkmal des kursiven R wiederfinden. Es macht das Bild interessant, ohne das irgendwelche Anstrengungen beim Bildaufbau nötig sind.

Allerdings, dieses Motiv kann man, wie beim obigen Bild erkennbar, beim Betrachten nicht viel mehr entlocken als die nackte Darstellung, erweitert um die Idee mit den Knoten. Zugegeben, das Bild ist ein Hingucker, aber nur für den ersten Augenblick. Es geschieht einfach zu wenig; eine "Szene" fehlt in der sich mitteilt, warum dieses Bild existiert. Es wirkt karg, direkt und technisch..

Der Aufbau auf dem Tuch mit dem schwarzen Hintergrund ist ein Set, das irgendwo zufällig auf einem Küchentisch entstand sein könnte, wenn man es nicht schon genauer wüsste.

Die Belichtungen waren identisch, weil auch die Lichtmenge der Beleuchtung gleich blieb. Bei beiden Bildern wurde stand das Licht links und direkt neben die Kamera. Entsprechend wurde oben beleuchtet und dann mehr vorne, beim unteren Bild. Zusätzlich war im Set eine Aufhellfläche von rechts notwendig, um dien äußeren Bereich der weißlichen Fläche rechts vom Knoten nicht zu dunkel werden zu lassen. Man kann dafür ein weißes Tuch nehmen, ein Bettlaken, Styropor, weiße Pappe oder anderes.

Bei einem solchen Aufbau ist ein stabiler Stand der Kamera schon wegen der langen Belichtungszeit wichtig. Aber aber auch die genaue Kontrolle des Bildauschnittes ist für beide Bilder notwendig. Aus der Hand ist man zumeist zu schneller mir dem Finger am Auslöser, um das Bild gut und genau genug ins Format zu setzten. Hier wurde das Motiv nicht zu klein ins Bild setzen. Das ist bei allen kleineren Bildern unbedingt einzuhalten, sonst wirkt fast jedes Motiv einfach nur verloren. Das gilt nicht selbstverständlich für Bilder im Format eines kleinen Bildschirms einer Kamera, wohl aber in einem großen Sucherbild. Jedes papierne Format wirkt auch noch anders auf das Motiv. Im kleinen Bild unten wirkt das Motiv etwas arg knapp ins Format gesetzt, doch wer das Bild vergrößert betrachtet, bemerkt, dass es ausgesprochen präsent ist und auch noch eine gänzlich anderen Eindruck erzeugt. Aufmerksame Leser und Leserinne haben sicherlich bemerkt, dass das untere Bild gar nicht so sehr dem kursiven "R" entspricht. Tatsächlich, was im Bild stärker wirkt ist die Perspektive, mit der die geknotete Papiertüte aufgenommen wurde, und es wirkt die Aufteilung der Bildflächen, also die Raumaufteilung mit den Proportionen, die bestimend ist und wirkt. - Das kursive "R" ist keine Universallösung und für alle Fälle die beste Wahl.

Fast in jedem Bild muss die richtige Balance zwischen Betrachtungsweg und Flächenaufteilungen gefunden werden, zwischen dem kursiven "R" und den Proportionen der im Bild wirksamen Flächen und Objekte.

(c) 2006-2007 Adrian Ahlhaus, Göttingen