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Es dauerte länger bis mein Nachdenken zu einem Ergebnis führte. Tatsächlich fange ich zumeist mit einem Aufbau erst6 an, wenn das Konzept steht, dass heißt, alle fotografischen Komponenten für ein Bild, das sind Objekte, Perspektive und Lichtsetzung, vorab durchdacht sind.

Mein Konzept besteht aus der Inszenierung von Farbe mit dem Gegensatz des Unbunten. (So etwas ist mit der digitalen Technik relativ einfach umzusetzen.) Hinzu kam die eher unkonkrete Vorstellung einer exakten Ausführung der Beschriftung, auf die ich mich nicht vorab festlegen wollte und musste, denn ich bin Fotograf und kein Werbe-Grafiker. (Lediglich die Schriftfamilie stand fest und sollte zum Stil (meines) beitragen .) Insgesamt ist das Bild ein Balanceakt zwischen der Bildauffassung wie etwas erzählt weden kann, den Objekten, der Lichtsetzung und dem Zeitgeschmack. Hier tifft ein meine Art von Humor auf eine konventionelle Gestaltung und Schrift, die insgesamt wohl mich meinen können, etwas über mich und meine Photographie aussagen.

Die Objekte sind simpel: Eine meiner Mützen (schwarz), eine Mohrrübe aus dem Supermarkt und eine Lifestyle/Sport-Brille (meine) liegen auf einer Glasfläche, darunter ein schwarzes Tuch.

Das Licht ist eine einzelne Lichtquelle von hinten links, abgeblendet, dass das Licht nur über den Schirm der Mütze fiel. Vorne rechts wollte ich eine zweite Leuchte plazieren, doch wäre die Reflexion auf der Brille wahrscheinlich zu großflächig ausgefallen, so dass ich mich für einen schmalen weißen Karton entschied, der nun das Licht auf die Szene zurück warf. Unter der Mütze steckt Karton, der diese aufrecht hält.

Die Belichtung wurde mit einem Belichtungsmesser mit Diffusorkalotte ermittelte (Lichtmessung). Es hätte ein grauer Karton gereicht um ungefähr die richtige Belichtungszeit zu finden. Wegen der großflächig schwarzen Bildteile darf man sich auf keine Fall auf den Belichtungsmesser der Kamera verlassen, denn dann wäre so lange belichtet worden, bis das Schwarz zu einem Grau würde, es wäre also verkehrt belichtet worden.

Eine einzige Belichtung reichte und das Bild war "im Kasten". - Ich habe am teuren Großformatfilm gelernt. Durch dieses Arbeitsweise dokumentiert sich hier meine erste, handwerkliche Ausbildung als Fotograf, denn im Handwerk vermeidet man unnötige Mehrarbeit, dass heißt, unnötige Arbeitszeit mit überflüssigen Belichtungen´, die als zusätzliche Kosten (Film und Entwicklung) von Kunden sowieso nicht bezahlt werden.

Jetzt fehlte nur noch der Text. Was auf das Bild gesetzt werden sollte, das war keine Frage, und auch meine Wahl der Schrift war bereits entschieden. Sie gibt dem Bild eine stärkere Seriösität. Die Anordnung endgültige Anordnung erprobe ich am Bildschirm.

Im Nachhinein analysierte ich meine Arbeit mit dem Einzeichnen der Linien. Diese Linien vermessen mein Foto mit der Schrift. Und ich bin ganz überrascht, wie sehr die Bildaufteilung wiederum meiner Gestaltungslehre entspricht. (Theorie ist nicht immer gleich Praxis.) Blau sind die Diagolen eingezeichnet, die "dynamischen" Achsen. (Keine andere Gestaltungslehre kann die Wirkung von Diagonalen erklären.) Gelb sind die verbindenden Linien sichtbar, die die bildwichtigen Elemente zu einem Ensemble zusammen fassen. Dabei sieht man gerade noch, dass eine gelbe, waagerechte Linie ganz knapp unter der unteren, mangentafarbenen Drittelteilung verläuft. Alle wichtigen Linien verlaufen in der Nähe der für mich bildwichtigen Details: Die Beschriftung der Brille und das Logo sind elementare Inhalte bei Werbeaufnahmen, die Mohrrübe ist ein getalterisches Gegengewicht zum Logo der Brille. Warum das so ist, können sie selbst mit eingezeichneten Senkrechten nachvollziehen (Bei allen bildllich wirksamen Elementen einfach eine Senkrechte über das Bild legen, es werden vier sein.) Wer möchte kann auch ein "R " über das Bild lege, dann versteht man die Wirkung der Diagonalen besser und ebenso, wie die bild-bedeutsamen Elemente bei ihrer Plazierung dem Sehen und Verstehen eines Bildes entgegen kommen.

Die einzige Farbe im Bild hat die Mohrrübe. Das ist der "Hingucker", der bei kleinen Bildern, wie denen im Internet, besonders wichtig ist, damit der Blick der Betrachter sich festsetzt.

Um den Produktionsprozess nicht zu verschleiern, das Bild "lebender" zu halten, habe ich nicht versteckt, wie die Mohrrübe unterhab der Mütze geringfügig sichtbar bleibt. - Sehen Sie genau hin.

Falls es jemanden interessiert, die Belichtungsdaten: ISO 100, t 15 Sekunden, mittlere Blende, 18 Grad Bildwinkel, Dauerlicht in Standard-Studioreflektor.

(Dieses Bild ist keine Werbeung für einen Hersteller von Brillen. Ich habe darauf verzichtet mir Gedanken zu machen, wie das Logo besonders deutlich ins Bild gesetzt werden kann.)

Das fertige Bild
Der Entwurf mit Schrift
Die Überprüfung meiner Arbeit
(c) 2007 Adrian Ahlhaus. www.AdrianAhlhaus.de All rights reserved.