Die Verfremdung

folgt einfachen Regeln:

- entschieden angewendet sollte sie als solche erkennbar sein;

- keine zweite oder gar dritte Bearbeitung erschwert das Verständnis;

- die verfremdeten Objekte sollten ihrer wesentlichen Merkmale nicht berauben sein - sonst ist es keine Verfremdung, sondern ein neues und nur vielleicht ein küntlerisches Objekt;

- letztlich hat eine Verfremdung einem Motiv etwas hinzu zu fügen, um keine gedankenlose Spielerei zu sein.- Aus diesem Grund werden viele verfremdende Bildbearbeitungen zwar mit viel Aufwand betrieben, bleiben dann aber doch so unerheblich , das man sich die Frage stellen muss ob der Aufwand in irgendeiner Weise gerechtfertigt ist, mehr darstellen kann als eine simple Übung mit viel Fleiß, der man sich unterzieht, weil es mit der digitalen Technik möglich ist am heimischen Bildschirm und auf Knopfdruck viele vorgefertigte Effekte zu erzeugen. (Diese Bearbeitung kann, soweit mir bekannt ist, mithilfe von Effektfiltern nicht wiederholet werden.)

Das altehrwürdige Motiv des "Alten Rathauses" in Hannover zu einem Objekt der Popkunst zu verändern, wie man es in analogen Zeiten mithilfe des Siebdrucks in ähnlicher Art hätte schaffen können, dazu hatte ich glücklicherweise den winterlich zugefrorenen See im Vordergrund mit einer angetauten Wasserschicht auf dem Eis, das das Spiegelbild vom Motiv deutlich entfernt abbildete.

Mit dem mittäglichen Licht im Rücken war die entscheidende Aufnahme schnell im Kasten. Der Umstand das die im Hintergrund dunkle Wolkendecke eben keinen blauen Himmel bot, war eine gute Voraussetzung mit einer relativ neutralfarbenen Farbgebung viele Möglichkeiten zur Bearbeitung offen zu halten, nicht schon bei der Aufnahme auf eine bestimmte bunte Farbigkeit festgelegt zu sein. (Ein wolkenloser blauer Himmel mit dem kräftigen Kontrast einer ungefilterten Sonne hätten deutlich mehr Hell-Dunkel geschaffen als in diesem Bild, da bereits jetzt unter den Büschen ein grenzwertiges Licht existiert.)

Was wirklich störend war - wie üblich kann man im Monent der Aufnahme halt nicht alles optimal vorfinden - das war der Erdklumpen, der die rechte Turmspitze des Spiegelbildes stört. Eine Scheitt nach rechts bedeutete einen ungünstigeren Ausschnit und ebenso nach k´links oder hinten. Ich war bereits an der Wasserkante.

Das Bild ist nicht grundsätzlich und in allen Bereichen verfremdet. Der Himmerl ist weiterhin weitgehend blau, die Büsche vor dem Rathaus sind weiterhin grün.

Man kann sich berechtigterweise fragen ob das Eis nicht hätte weißlich-grau bleiben sollen, doch dies wäre nicht von der Spiegelung zu trennen gewesen, da die Eissschicht im Wasser sichtbar ist.

Um die rechte Turmspitze zu gestalten nahm ich eine Kopie der linken, setzte diese in eine neue Ebene und veränderte mit einigem Probieren die Richtung (Drehung), die Proportion (Größe) und die Deckkraft der Ebene, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war. Nun musste der Rand noch der Kopie angepasst werden, da das Wasser eine andere Färbung hat. Die Verfremdung des Bildes besteht aus scharfen, kräftigfarbenen "Klötzchen". Die neue Turmspitze wurde aus der unmittelbaren Umgebung mit abgeschwächter Deckkraft und zum Teil über die Kopie wiederum mit dem Kopierstempel bearbeitet, also mit Sättigung über die Ränder neu kopiert, um die alte Kontor zu verwischen, was dem rechten Turm nun eine glauhaft veränderte Form gibt. (Ach ja, da die Kopie eine leicht andere Farbigkeit hatte, nahm ich ihr zuvor noch etwas von der Helligkeit und dem Kontrast.) - All diese Dinge muss man ausprobieren, eventuelle merhfach ansetzen. Es ist hilfreich alle Bearbeitungsschritte über den "Verlauf" rückgängig machen zu können.

Da die Wasserreflexe in den Bereichen der Spiegelungen nicht identisch sind ergeben sich Freiheiten, die einkopierte Kontur nicht nur aufzulösen, sondern diese an die deutlich blauere Umgebung der Wasserreflexe problemlos anzupassen. - Und das war es auch schon.

Nun, jede Verfrendung ist auch eine Frage des Geschmacks. Ob das Bild gefällt oder nicht entscheidet letztlich der Betrachter. Allerdings, selbst wenn jemand seinerseits eine ähnliche Bearbeitung anstrebt, wird das Ergebnis deutlichlich anders ausfallen, schon da die natürlichen Bedingungen anders sind und, weil die Werkzeuge der Bildbearbeitung nicht identisch gehandhabt werden. - Es bleibt ein einmaliges Bild.

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